Verfasst von: sommerschwester | April 17, 2008

Mein Opa

Das Leben ist leider nicht immer so heiter wie man nach meinem letzten Beitrag glauben mag.

Seit gestern ist Opa wieder im Krankenhaus. Die Ärzte hatten ja entschieden, dass die Bestrahlunstherapie ambulant und nicht stationär stattfindet. Das lag vor allem daran, dass sie es vor der Krankenkasse nicht rechtfertigen konnten und so eine Kostenübernahme schwierig gewesen wäre.

Allerdings ist in den letzten Tagen sehr offensichtlich geworden, dass Opa immer schwächer wird und die Bestrahlungen im sehr zusetzen. Sein Zustand hat sich etwa nach der Hälfte der vorgesehenen Bestrahlungen nochmal rapide verschlechtert. Er leidet unter Kopfschmerzen und legt sich oft einfach so ins Bett (was er früher nie gemacht hat), weil er so schwach ist. Hinzu kam, dass er zusehends orientierungloser wurde.
Neulich hat er meine Mama aus dem Bett geklingelt (Opa hat seit kurzem eine Funkklingel. Drei Klingelknöpfe sind in seiner Wohnung verteilt und meine Mama hat den Empfänger in ihrer Wohnung.) Es war mitten in der Nacht, aber Opa saß angezogen im Wohnzimmer und fragte, warum denn meine Mama die Zeitung noch nicht geholt hätte. Es hat lange gedauert, bis er geglaubt hat, dass es erst 2.30 Uhr und nicht schon 8.00 Uhr ist.

Die Ärzte haben also die Entscheidung getroffen ihn doch aufzunehmen um so zu versuchen ihn “aufzupeppeln”. Opa war nicht wirklich begeistert davon. Aber was wäre denn die Alternative? Zu warten, bis er so schwach ist, dass ein Verbleib zu Hause nicht mehr möglich und der einzige Ausweg Pflegeheim ist?

Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, dass ich ein undankbares und egoistisches Balg bin, vor allem, weil Opa so viel für mich getan hat. Vieles in meinem Leben wäre nicht oder nur sehr schwer möglich gewesen, wenn es meinen Opa nicht gegeben hätte… Aber ich gestehe: Wir können nicht mehr. Seit Monaten dreht sich unser Alltag um Opa. Wir stimmen unsere Tagesabläufe so ab, dass Opa möglichst viel Gesellschaft hat. Wenn einer von uns etwas vor hat, wird das immer untereinander abgesprochen. Aber das ist nichts im Vergleich zu den Sorgen, die man ständig mit sich herumträgt. Als neulich Nachts mein Handy klingelte und der Notruf vom Roten Kreuz dran war, hat mich fast der Schlag getroffen.

Und auch wenn ich weiß, dass Opa im Krankenhaus besser aufgehoben ist, auch weil er dort um die Uhr beobachtet wird, überkommt mich ein komisches Gefühl. Die Erleichterung die sich in mir breit macht (eben weil die Sorge um Opa geringer ist und er professionell betreut wird), macht mir gleichzeitig Angst. Eigentlich fühlt es sich so an, als hätten wir Opa abgeschoben… :(

 

Liebe Grüße

Sommerschwester


Einen Kommentar hinterlassen

Ihre Antwort:

Kategorien